2004

1. und 8. Dezember 2004, 20 Uhr Konzert IV Aufbruch in die Moderne 2004 "Music in cinema" im Kino am Raschplatz

Konzert und Film um "Desért" von Edga Varèse und Bill Viola.

In Kooperation mit der Hannovers Gesellschaft für Neue Musik (HGNM) und dem Kino CinemaxX am Raschplatz. Weitere Informationen finden Sie hier.

3. November 2004, Meiserkurs mit Mark André (Frankfurt a. M. / Leipzig)

Ein Klang ist nicht einfach ein Klang – er kann brüchig sein oder glatt, körnig, griffig oder perforiert, um nur einige der Adjektive zu nennen, mit denen Mark Andre die Qualität von Klängen beschreibt, die er erforscht. Er ist einer, der eher mit der Lupe arbeitet als mit dem Fernglas, ein langsamer, gründlicher Arbeiter, der um jeden Ton ringt, und ein stiller, fast scheuer Mensch. Vorsichtig nur deutet er an, warum er sich nicht wohlgefühlt hat als Elsässer in Paris, wo er am Conservatoire bei Claude Ballif und Gérard Grisey Komposition studiert und außerdem an der École Normale Supérieure über die Musik der Ars subtilior promoviert hat. Zu oberflächlich war ihm der französische Lehrbetrieb, zu eindimensional und dogmatisch ausgerichtet. Bei der Werkanalyse einer Mahler-Symphonie, beispielsweise, sich der dialektischen Betrachtungsweise eines Adorno zu bedienen, war ein Tabubruch erster Güte und die leise, brüchige, nach innen gerichtete Klangsprache des Kompositionsstudenten Mark Andre wurde als handwerkliches Manko disqualifiziert und nicht als ästhetische Qualität diskutiert. Als er zufällig eine Partitur von Helmut Lachenmanns Klavierkonzert Ausklang in die Hand bekam, war das für ihn eine Offenbarung. Er ging zu Lachenmann nach Stuttgart. In ihm fand er den Lehrer, den er gesucht hatte: fordernd und unnachgiebig, was die Sache betrifft, einfühlsam und verständnisvoll im persönlichen Umgang. Auch fühlte er sich im protestantischen Schwaben deutlich wohler als im laizistisch-katholischen Paris. Inzwischen lehrt er selbst: am Conservatoire in Strasbourg und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst hat er Lehraufträge inne und versucht, die immer noch diametral entgegengesetzten Systeme für sich selbst und seine Schüler auszutarieren. Seinen Lebensmittelpunkt aber hat er schon seit einigen Jahren in Berlin, wo er sich wohlfühlt im kulturellen Umfeld und der lebendigen Musikszene. Weitere Informationen finden Sie hier.

12. Juni 2004, Workshop mit Helmut Lachemann

Wesentliche Anregungen für seine serielle Kompositionsmethode erhielt Lachenmann von Karlheinz Stockhausen während der sogenannten „Kölner Kurse“ und von Luigi Nono, der ihn auf die Probleme der gesellschaftlichen Funktion von Musik aufmerksam machte. Im Gegensatz zu Nono versteht Lachenmann seine Musik so: „An die Stelle des starr punktuellen Klangs sollten bei meiner Musik Klangtypen verschiedener Art treten: Ein- und Ausschwingprozesse, Impulse, statische Farben, Fluktuationen, Texturen, Strukturen.“ (Lachenmann, Die gefährdete Kommunikation, 1973). Lachenmanns Werk ist einerseits die Auseinandersetzung mit seriellen Techniken und Zufallsmanipulationen, andererseits ein Reflektieren des Selbstverständnisses als freischaffender Komponist. Dies zeigt der Umgang mit der musica impura, dem Geräusch als integralem Teil des Klangs, wenn Lachenmann in Guero (1970) das Klavier als Schlag- und Zupfinstrument „zweckentfremdet“. Er will den „hörigen“ Hörer von seinen Hörgewohnheiten befreien und ein neues Kompositions- und Hörverständnis entwickeln. Das geschieht bei Lachenmann in der Art von John Cage und der französischen Musique concrète der frühen 1950er Jahre. Es geht Lachenmann um die Erweiterung des Musikbegriffs, um dessen Loslösung von einer an Tonalität und Tonhöhen fixierten musikalischen Auffassung, wobei jedes akustische Ereignis zu Musik geformt werden kann. Weitere Informationen finden Sie hier. Abends Konzert mit dem Nomos-Qartett: Lachemann - "Grido".

2. Mai 2004. "Nono 2004", 17 Uhr im Pelikan Viertel (Historischer Saal)

Konzerte, Kammerkonzerte, Filme und Vorträge in Kooperation mit der Staatsoper Hannover.

26. April 2004 im Marschnersaal der Staatsoper Hannover: "Kann man heute noch komponieren?"

Podiumsdiskussion

21. und 22. Februar 2004, Meisterkurs mit Philip Schoeller

Schoeller wurde 1957 in Frankreich geboren. Einer klassischen Musikausbildung - Klavierstudium bei J.-C. Henriot, Gesang im J. von Websky´s Bach Chor, Harmonie und Kontrapunkt bei G. Dervaux und Analyse bei R. Piencikowski - fügte er Studien und Abschlüsse in Musikwissenschaft und Philosophie der Künste an der Universität Paris-Sorbonne hinzu. In den 1980er und 90er Jahren gewann er Kompositionspreise, darunter bei den internationalen Wettbewerben Antidogma (Turin 1984) und Henri Dutilleux (Tour 1990), außerdem besuchte er Kurse und Meisterklassen bei Pierre Boulez, Iannis Xenakis und Franco Donatoni. Am Pariser IRCAM nahm er an Computer- und Musikworkshops teil und betrieb dann ausführliche Studien zur Klangsynthese mit dem Ziel, auf eine neue Weise Instrumente zu schaffen. Die Werke "Feuillages" (1991/92) und "Vertigo Apocalypsis" (1996/97) verwenden diese Ideen. Schoeller gab Kurse an verschiedenen Hochschulen und lehrte Analyse und Komposition am CNSM in Lyon. 2001 erhielt er den Grand Prix Paul Gilson für "Cinq Totems". Abends Konzert mit mit Francoise Rivalland und dem Ensemble S.I.C. (Paris) - Boulez’ „Le marteau sans maître“.

15. bis 18. Januar 2004, Bridges - Wege der Vermittlung neuer Musik

Workshops, Gespräche und Einführungskonzertemit London Sinfonietta, Muzyka Centrum (Krakau), Grame (Lyon) und Musik für heute, Prof. Mathias Spahlinger (Freiburg i. Br.) und dem Institut für neue Musik, Leitung Johannes Schöllhorn.

 

Zuletzt bearbeitet: 19.04.2016

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